Das Ego


Das Ego ist ein starres, abgegrenztes Subjekt-Ich, die Illusion (maya), nach der es eine absolute Trennung zwischen Ich und Nicht-Ich gibt.

Durch Anerkennungssucht aufgeblähtes Ich, das sich um sich selbst dreht. Es zeigt sich in Spannungen und Verkrampfungen, in Neid, Verbissenheit, Gier, Eifersucht, Druck, Härte, Abwertung, Unversöhnlichkeit, Allmachtsphantasien, Anerkennungssucht und Machtansprüchen. Dem Ego zuzuschreiben ist weiteres ein Festhalten an starren Bildern, ein Leben im Wartesaal der Zukunft und Vergangenheit, sich mehr mit Erwartungen und Befürchtungen auseinanderzusetzen, als mit dem Hier und Jetzt und ein chronisches Selbsterleben als "Gesehener". Vor allem aber zeigt sich das Ego in tiefen Misstrauen gegen alles, was einfach passiert und baut somit eine Barriere gegen das transpersonale Selbst auf.

Spirituelle Wege setzen sich die Transformation des Ego zum Ziel, denn nur dann ist die Einheitserfahrung, die Vereinigung mit Gott möglich. Das transformierte Ego erkennt das transpersonale Selbst und dient ihm. Es zeigt sich in der Fähigkeit zu freifließender Liebe. Das transformierte Ego heftet sich nicht an die Affekte, sondern begleitet sie, es ist ein Sinnesorgan des Selbst. Es existiert in uns als Zeuge ohne Anhaftung und unterstützt uns in den täglichen Pflichten. Es zeichnet sich durch Vertrauen aus, kann flexibel reagieren und ist fähig, selbst produzierte Konzepte wieder loszulassen, wodurch der Boden für umfassende Befreiung bereitet wird. <br<></br<>


Der Ego-Tod


Die mystischen Schriften berichten uns auch von Beispielen, in der diese innere Transformation kulminiert, den Ego-Tod. Es steht in einem Augenblick alles auf dem Prüfstand, was ich bin und was ich habe. Dies kann zu einem Auflösen vertrauter Beziehungen, zum Verlust von materiellen Gütern, zu Depersonalisationserscheinungen und auch zu spontanen außergewöhnlichen Bewusstseinszustände führen. Eine Siddha-Yoga Meisterin (Gurumayi) schreibt in ihrer Autobiographie: "Das Haus meines Ichs ging in Flammen auf. Alles, was ich besaß wurde verbrannt. Ich wollte mein Haus retten. Aber ich konnte nicht entkommen. Auch die Tür meines Hauses stand in Flammen. Ich weiß nicht mehr, was dann geschah......Und alles verstummte in der endlosen Stille der Liebe."

In diesem Moment der Erleuchtung gehen Erkenntnis und Liebe, Leer und Fülle ineinander über. Der Zusammenbruch der Ego-Struktur, man nennt es auch den Ego-Tod, wird als Vernichtung erfahren, die jedoch eine neue, höchst intensive Form der Seinswahrnehmung freisetzt. Toshihiko Izutsu, ein Philosoph und Kenner des Zen-Buddhismus, beschreibt sie als eine von begrenzenden Wahrnehmungsrastern befreiter Realitätserfahrung.

Dieses reine Bewusstsein ist frei für jenen Zustand umfassender All-Verbundenheit, in der sich der Wahrnehmende als Sein in allem Seienden und damit als Wahrnehmender identisch mit dem Wahrgenommenen erfährt.

Das spirituelle Ego

Wenn die Erhabenheit des Daseins in Erleuchtungs-Erfahrungen zugänglich wird, neigt der Suchende dazu, dies als Früchte seiner Selbstbemühungen zu sehen. Natürlich begünstigt die spirituelle Praxis, in der Meditation, in moderater Lebensstil, die Übung von Mitgefühl sowie radikale Ego-Transformation eine zentrale Rolle spielen, diese Durchbrüche - dennoch ist sie nicht ausschlaggebend. Man würde deren Sinn gründlich missverstehen, wenn sie das Erreichen eines metaphysischen Bewusstseinszustandes in den Mittelpunkt ihres Strebens stellen würde. Das spirituelle Ego ist selbstlos und mitfühlend.

Spirituelle Selbsterforschung und Übungspraxis sollen stets "nur" um ihrer selbst willen durchgeführt werden. Es geht um die Liebe zum Leben, zur Schöpfung und zu allen Wesen, unabhängig davon, wann und wie das Bewusstsein spontane Durchbrüche zu einer tiefen Seinsebene erlangt.

Weiterführende Literatur: Das Buch "Vom Ego zum Selbst"

Im Leben Sterben, die Auflösung des Egos

Transpersonale Dimensionen des Sterbens

Aus dem Inhalt:

...Die transpersonale Dimension des Sterbens lässt sich somit in dem spirituellen Gebot "Stirb und Werde" zusammenfassen. Das Ego muss sterben, um jenen Wesensgrund freizulegen, der uns durch die verschiedenen Phasen des Lebens zu tragen vermag. ...