Spirituelle Transformationsprozesse - Ein Weg zur Ganzheit

Heilung durch veränderte Bewusstseinszustände

Ein Weg zur Ganzheit muss den Körper, die Seele und den Geist einschließen, Heilung ermöglichen, spirituelle Öffnungen bewirken und eine Übungspraxis initiieren. Diesem integrativen Anliegen ordnen sich die Konzepte der transpersonalen Psychologie sowie das holotrope Atmen unter. In sie fließen Einsichten aus veränderten Bewusstseinszuständen, Ansätze westlicher Psychologien, Erkenntnisse moderner Psychotherapie und das überlieferte Wissen mystischer Traditionen mit ein. Das Holotrope Atmen kann als vortrefflicher Praxisweg der transpersonalen Psychologie angesehen werden. Es oszilliert zwischen körperlichen, seelischen und geistigen Wachstumsprozessen.

Der Begriff holotrop bedeutet sinngemäß »in Richtung Ganzheit gehen«. Der Begründer des Holotropen Atmens, Stanislav Grof, entwarf eine neue Kartographie der Psyche, um die vielfältigen Erfahrungsdimensionen zu ordnen. Die lebensgeschichtliche oder psychodynamische Ebene kann durchaus mit den Inhalten verglichen werden, wie sie auch in der -traditionellen Psychotherapie zugänglich werden. Es werden aber auch Erlebnisse aus frühester Babyzeit (präpersonale Ebene), von der Geburt (perinatale Ebene) und im Mutterleib (pränatale Ebene) berichtet. Speziell auf Erfahrungen jenseits vertrauter Raum- und Zeitgrenzen (transpersonale Ebene) und auf mystische Zustände (spirituelle Ebene) soll hier Bezug genommen werden, weil durch sie die transpersonale Wesensnatur des Menschen erfahrbar wird.

Das Holotrope Atmen gibt dem Praktizierenden die Möglichkeit, außergewöhnliche Erfahrungsräume zu betreten und die Angst vor dem Ungewöhnlichen abzulegen. Außerdem können dadurch tiefgreifende Heilungsprozesse begonnen, das schlummernde Potenzial der Kundalini geweckt und Zugänge zur spirituellen Welt eröffnet werden. Hervorzuheben ist auch die immense Kraft der universellen Liebe, von der man in solchen Sitzungen durchdrungen werden kann.

Heilung zur Ganzheit


Vor langer Zeit durfte ich als Teilnehmer einer Atemsitzung, die Stanislav Grof leitete, einem eindrucksvollen Vorgang beiwohnen. Eine Frau fiel in einen extremen Zustand. Sie zitterte über Stunden hinweg am ganzen Leib, stieß immer wieder furchtbare Schreie aus und wurde wie von Energiewellen geschüttelt. Gegen ein Uhr nachts, als die anderen Gruppenmitglieder längst den Gruppenraum verlassen hatten und ich alleine mit Stan noch neben ihr saß, verebbten allmählich die Bewegungen, ihr Körper entspannte sich mehr und mehr, und plötzlich kehrte tiefer Frieden ein. Stan brachte ihr eine Tasse Tee. Sie trank ihn, lächelte und sagte: »Danke, dass ihr bei mir geblieben seid. Ich bin glücklich und voller Liebe!«

Am nächsten Morgen, als wir über Heilmechanismen diskutierten, betonte Stanislav Grof: »Beim Holotropen Atmen geht es darum, dass wir dem inneren Prozess – der inneren Weisheit – vertrauen und nicht mit unseren Konzepten im Wege stehen.« Die radikale Achtung des inneren Prozesses, der einer größeren Weisheit folgt, ist für die Arbeit mit veränderten Bewusstseinszuständen unumgänglich. Diese Orientierung an den Wirkkräften des universalen Selbst bringt einen umfassenden spirituellen Transformationsprozess ins Rollen. Das konnte ich bei mir wie auch bei vielen Menschen beobachten, die ich in den letzten fünfundzwanzig Jahren in diese Welten begleiten durfte.

Spirituelle Transformationsprozesse


Derartige Erlebnisse, in denen die rational-empirische Welt etwas zur Seite tritt, können natürlich auch heftige Erschütterungen auslösen. Wenn beispielsweise die Schläge des Vaters durch Verfärbungen der Haut sichtbar werden, der Körper sich von selbst bewegt oder man panischen Ängsten ausgesetzt ist, dann wirkt das zunächst bestürzend. Allerdings werden durch das Erleben nur verdrängte Themen sichtbar, die sich auflösen möchten. Das, was sich meldet, muss sich dabei vollständig ausdrücken können, um alte Wunden ganz zu heilen. Im veränderten Bewusstseinszustand sowie im spirituellen Transformationsprozess kann es vorkommen, dass man sich plötzlich außerhalb des Körpers erlebt, zukünftige Ereignisse vorhersieht oder verstorbenen Angehörigen begegnet. Man kann sich auch in fremden Zeit- und Kulturräumen bewegen oder sich mit anderen Lebewesen identifizieren. Vielleicht erfährt man sich sogar nicht mehr als Einzelwesen, sondern vielmehr als transparent und verbunden mit allem.

Alle diese Erfahrungen, inbegriffen die spirituellen Transformationsprozesse, dienen letztlich der Vertiefung und Erweiterung des inneren Weges. Ausführliche und detaillierte Beschreibungen das holotropes Atmen und transpersonale Selbsterfahrungen finden Sie in meinen Büchern „Dimensionen der menschlichen Seele“ und „Vom Ego zum Selbst“.