Die Spirituelle Krise

Krisen sind für die spirituelle Entwicklung immer bedeutsam. Die spirituelle Krise kann leicht missverstanden werden, denn sie weißt auch Phänomene auf, die spirituell unerfahrene Fachleute psychopathologisch deuten. Dies kann dann zu verhängnisvollen Behandlungsansätzen und sogar zu einer Einweisung in die Psychiatrie führen. Eine medikamentöse Behandlung von spirituellen Krisen führt zwar zu einer zeitweiligen Dämpfung der Symptomatik, bewirkt aber, was die Lernerfahrung betrifft, genau das Gegenteil, denn nur wenn eine bewusste Verarbeitung erfolgt, kann das Bewusstsein daran wachsen.

Da spirituellen Krisen tief in die existentielle Seinsweise eines Individuums eingreifen, wäre "existentiell-spirituelle Krise" der bessere Beschreibungsbegriff. Sie sind Durchbrüche und Aufbrüche, die spirituelle Impulse vermitteln, mit spirituellen Themen in Zusammenhang gebracht werden können, einem spirituellen Weg vorausgehen oder während eines spirituellen Weges auftreten. Auch im Umfeld von bewusstseinsverändernden Drogen, mystischen Übungen oder parapsychologischen Praktiken sind sie anzutreffen. Sie haben in der Regel die Qualität von Aufforderungen zu mehr Tiefe, zu weniger Ego und zum Einbezug des Göttlichen in unser Leben. Bei guter Unterstützung führt eine spirituelle Krise zu einem erweiterten Lebenshorizont und zu einem tieferen Daseinsgefühl.

Definition "spirituelle Krise"


Der Begriff "spirituelle Krise" wurde von Stanislav und Christina Grof in die transpersonale Psychologie eingeführt und für die westliche Psychotherapie aus dem reichen Erfahrungsschatz der mystischen Wege, denen diese Zustände absolut geläufig sind, fruchtbar übersetzt und zusammengefasst.

Ungewöhnliche und andersartige Erlebnissequenzen können ohne Vorwarnung die Grundfesten der Persönlichkeit erschüttern. In spirituellen Krisen öffnet sich das Alltagsbewusstsein für ungewöhnliche Erfahrungen. Es ist das Einbrechen der höheren Macht in unser Leben, eine totale und den ganzen Menschen betreffende Involvierung in einen Prozess der Öffnung, Reinigung und Transformation.

Spirituelle Krise als Wachstumschance

In einer spirituelle Krise gerät der Mensch in einen Engpass und erfährt in dramatischer Weise eine Zuspitzung seiner inneren Lage. Alte vertraute Bewältigungsmechanismen greifen nicht mehr, und in unaufhaltsamer Weise verdichtet sich das Problemgeschehen. Wenn man dabei erkennt, dass es kein Spielraum für die bewährten Strategien des Verstehens und Handelns mehr gibt und das die alten Bewältigungsmechanismen deshalb nicht mehr greifen, weil sie überholt sind und der Entwicklung im Wege stehen, kann man die Chance ergreifen. Die spirituelle Krise zwingt uns, den Daseinsentwurf zu erneuern und bis dahin verschlossene Türen zu öffne. Es ist ein Zustand zwischen Tod und Geburt. Diese Phase braucht, um herauszufinden, was loszulassen und was aufzugreifen ist.

Generell sollte man spirituellen Krisen nicht aus dem Weg gehen, denn sie umfassen wichtig Reifungsprozesse und Lebensbotschaften. Es ist gut eine Krise anzunehmen, in sie hineinzugehen und zu spüren, was sie bedeuten soll. Der Sinn der spirituellen Krise ist, mich bzw. mein Bewusstsein zu erweitern. Darum liegt die Lösung naturgemäß auf einer höheren Ebene. Zugang zu dieser Ebene gewährt die Intuition.

Die innere Weisheit übernimmt sorgsam die Regie über die weiteren Prozesse, und deshalb ist es wirklich förderlich, wenn wir diesem Plan nicht im Wege stehen. Komplikationen entstehen normalerweise eher durch heftigen Widerstand, als im Geschehenlassen. Spirituelle Krisen brechen innere Verhärtungen auf und zeigen an, was loszulassen ist. Die Wandlung ist nicht immer an an aufschäumende Krisen gekoppelt; sie kann auch ruhig und harmonisch ablaufen, Schritt für Schritt, ohne große Sprünge oder spektakuläre Durchbrüche.